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08. Oct. 2015
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08. Nov. 2016
Daten

Daten

Die Republikaner sind in diesem Jahr darum bemüht, ihren technologischen Rückstand auf die Kampagnenarbeit der Demokraten wettzumachen – zum Teil auch mit befremdlichen Mitteln.

Daten spielen eine immer größere Rolle in US-Wahlkampagnen. 2016 werden in den Teams der PräsidentschaftskandidatInnen hunderte MitarbeiterInnen nur mit der Beschaffung, Analyse, Aufbereitung und Bereitstellung von Daten befasst sein. Und die Kampagnen werden Millionen US-Dollar für Daten über WählerInnen ausgeben.

Ein Beispiel dafür: Cambridge Analytica, ein bislang relativ unbekanntes Unternehmen, hat alleine in diesem Jahr bereits 750.000 US-Dollar von der Kampagne des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Ted Cruz eingestreift (und immerhin 220.000 US-Dollar von dessen republikanischen Mitbewerber Ben Carson kassiert), um exklusives Datenmaterial über WählerInnen bereitzustellen. Ein ebenso bunter wie bei genauerer Betrachtung beklemmender Spot zeigt, wie sich dieses Unternehmen die „schöne neue Welt“ der datengesteuerten Kampagnen so vorstellt:

Die Idee dahinter ist bestechend simpel: Je mehr ich über eine/n WählerIn weiß, desto zielgerichter kann ich meine Werbung einsetzen und unnötige Ausgaben bzw. „Streuverluste“ vermeiden. In Zeiten von „Big Data“ und „Microtargeting“ scheint es erstmals möglich zu sein, das legendäre Zitat Henry Fords zu entkräften, wonach die Hälfte aller Werbeausgaben beim Fenster hinausgeworfenes Geld sei, man aber leider nie wissen könne, welche Hälfte das sei.

Wer sich nun fragt, wie Cambridge Analytica an solche Daten kommt, spricht einen heiklen Punkt an, denn wie der Guardian in einem kritischen Artikel dargelegt hat, befinden sich darunter auch viele Daten von Facebook-UserInnen, die dafür nie ihre Einwilligung gegeben haben. In etwa funktionierte das so: Ein User bekam einen ausreichend großen Anreiz wie z. B. einen US-Dollar dafür, an einer Umfrage teilzunehmen. Ganz nebenbei akzeptierte er damit auch, dass sein Facebook-Profil ausgewertet wurde – einschließlich aller Daten seiner Facebook-FreundInnen, die darüber abgegriffen werden konnten (bis hin zu einzelnen Likes). Ob die Kampagne von Ted Cruz deshalb Probleme bekommen wird und solche Praktiken (die oft rechtliche Schupflöcher nutzen) in den USA mittelfristig gesetzlich geregelt werden, ist noch nicht absehbar – befremdlich ist es aber allemal.

Beispiele wie dieses zeigen jedenfalls, das die Republikaner in dieser Wahlsaison bemüht sind, ihren technologischen Rückstand auf die Kampagnenarbeit der Demokraten wettzumachen. Schließlich ist das Obama-Modell der „data-driven, grassroots-driven campaign“ zum großen Vorbild (aber auch inflationär genutzten Buzzword) heutiger Wahlkämpfe geworden. Das Obama-Camp hatte aber 2008 wie auch 2012 keine „Big Data“-Voodoo-Wunderwaffe im Köcher, sondern nutzte die neuen technischen Möglichkeiten vor allem, um den direkten WählerInnenkontakt bestmöglich zu unterstützen. Ethan Roeder, Data Director der Obama-Kampagne 2012, hat in einem Gastbeitrag für Yussis Buchprojekt über das „Echo-Prinzip“ eingehend erläutert, was darunter zu verstehen ist.

Konsequente Arbeit, kein Voodoo

In der letzten Phase des Präsidentschaftswahlkampfs 2012 hatte die Obama-Kampagne über 100 Vollzeit-MitarbeiterInnen in 19 verschiedenen Bundesstaaten, die dafür zuständig waren, wahlkampfrelevante Daten in der benötigten Form zur Verfügung zu stellen. Um eine so große Zahl an Profis zu bekommen, musste Obamas Team sogar ein eigenes Ausbildungsprogramm mit dem Namen „Field Tech Academy“ entwickeln. Der Begriff „Data“ wurde von den WahlkämpferInnen dabei bewusst vermieden, da ihm etwas Bedrohliches anhaftet. Wer dahinter eine geheimnisvolle Forschungs- und Entwicklungsabteilung im Stil von James Bonds Quartiermeister Q vermutet (der in den letzten Filmen zum Programmierer und Computerexperten mutierte), wird ohnehin bitter enttäuscht. Letztlich ging es bloß darum, mit zeitgemäßen technischen Mitteln – Internet, soziale Medien, Mobiltelefone, Apps – die Effizienz einer auf freiwilligen HelferInnen aufbauenden Kampagne zu optimieren. Und damit Freiwillige in der Lage sind, einen wirksamen Beitrag zum Erfolg einer Kampagne zu leisten, müssen viele Informationen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein.

Das beginnt schon damit, ein klares Bild davon zu haben, wo der direkte Kontakt mit WählerInnen am wirksamsten ist. Die Grundlage dafür bilden natürlich statistische Analysen der Daten, die einer Kampagne zur Verfügung stehen – und das sind in den USA verdammt viele. „Analytics“ ist aber nur ein wichtiger Baustein jeder Kampagne, der sich rund um das Thema Daten dreht. Denn im „Field“, der „Feldarbeit“ an der Kampagnenbasis, wo sich alles um die konkreten Einsatz von Freiwilligen und den direkten Kontakt mit den WählerInnen dreht, ist „Tech“ – also technische Lösungen zur Unterstützung dieser Aktivitäten – unverzichtbar geworden.

Ein Anwendungsbeispiel

Nehmen wir einmal an, ein potenzieller Wähler wird Fan einer Facebook-Seite zum Thema XY. Was dieser Wähler vielleicht gar nicht bemerkt hat: Diese Seite wird von einer Wahlkampagne betrieben, die nun zumindest ein paar Eckdaten über ihren neuen Fan weiß. Seine Telefonnummer scheint bald darauf auf dem Bildschirm einer freiwilligen Mitarbeiterin in einem „Field Office“ auf (die Obama-Kampagne hatte über 800 davon), das in jenem swing state eingerichtet wurde, wo unser Facebook-Fan zuhause sein dürfte. Sie ruft ihn an, um ihm ein paar Fragen zum Thema XY zu stellen – und erfährt dabei, dass es sich um einen sehr wahrscheinlichen Wähler ihrer Kandidatin handelt, welche Themen ihm wichtig sind und wo er wohnt. So landet dieser Sympathisant auf der Kontaktliste eines freiwilligen „Neighborhood Team Leaders“ (die Obama-Kampage hatte über 8.000 davon) und der sorgt dafür, dass unser Facebook-Fan persönlich besucht wird – und seine Briefwahlunterlagen rechtzeitig bekommt. Und nachdem jeder dieser Arbeitsschritte auf einem digitalen Formular abgehakt wird, können die KampagnenmanagerInnen auf allen Ebenen zu jedem Zeitpunkt sehen, ob sie ihre Mobilisierungsziele einhalten und organisatorisch auf dem richtigen Kurs sind.

Eigentlich ist das alles nicht sehr geheimnisvoll. Letztlich sollen alle diese Bemühungen dafür sorgen, dass eine verfügbare Information so rasch wie möglich dorthin fließt, wo sie gebraucht wird. Sowohl am Ende als auch am Anfang dieser Informationskette stehen nach wie vor Menschen: PolitikerInnen, hauptberufliche KampagnenmitarbeiterInnen, Freiwillige und WählerInnen. Und im Idealfall stehen die Daten nicht zwischen diesen Menschen, sondern verbinden sie …

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