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08. Oct. 2015
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08. Nov. 2016
Delegate(s) count!

Delegate(s) count!

Wer schon einmal ein Baseball- oder Footballspiel gesehen hat weiß: AmerikanerInnen lieben Statistiken. „Das war der schnellste Foulball bei dem sich gleichzeitig der dritte Widereciever in der Nase bohrte – das kam zum letzten Mal 1983 vor.“ In der Politik ist das nicht viel anders. Kein Wunder also, dass Kampagnen versuchen Medien und WählerInnen Zahlen zu verkaufen, die sie in gutem Licht erscheinen lassen. Ein genauer Blick auf die Zahl, die wirklich zählt.

Zahlen gibt es genügend: Gewonnene Staaten, gewonnen Stimmen, bessere Ergebnisse als die Umfragen vorhergesagt haben, bessere Platzierung als gedacht, weniger Verlust als befürchtet, mehr Abstand zum Nächsten …

UnterstützerInnen wie Medien lieben diese Zahlen. Doch es gibt nur eine, die wirklich zählt: gewonnene Delegierte. 1.237 Delegierte muss der Republikanische Kandidat erreichen, 2.383 der/die Demokratische. Und es gilt: Je länger der Vorwahlkampf dauert, desto wichtiger wird diese Zahl.

Momentum vs. Delegate Math

Zu Beginn, in Iowa oder New Hampshire, ist es noch leichter zu argumentieren, warum ein zweiter Platz der eigentliche Sieg ist oder der fünfte Platz kein Warnsignal. Doch jetzt, wo fast die Hälfte der Delegierten bereits verteilt wurden, reichen Wahlsiege in einzelnen Bundesstaaten – seien sie auch noch so überraschend – nicht mehr. Die Ergebnisse der letzten Tage zeigen das deutlich. Nach den ersten vier Bewerben lag Sanders nur 26 Delegierte hinter Clinton. Nach dem Super Tuesday, an dem Sanders mehr Staaten als gedacht gewann, wuchs sein Defizit: Clinton sammelte an diesem Tag 519 Delegierte, Sanders 346.

Seitdem wiederholt sich dieses Schema: Sanders schafft es medial, das Rennen als knapp darzustellen, während er in Delegierten stabil 30 % hinter Clinton liegt. Auch die Ergebnisse vom Dienstag, wo Sanders überraschend – selbst der sonst so akkurate und penible Fivethirtyeight Blog hatte Clinton’s Gewinnwahrscheinlichkeit bei 99% – die Hälfte der wählenden Staaten (= Michigan) gewann, zeichnen dieses Bild: Clinton ging mit einem größeren Delegiertenabstand schlafen als der, mit dem sie aufgewacht war (+20).

Wann Clinton gewinnt

Selbst an guten Tagen für Sanders schrumpft dieser Abstand nicht nennenswert: Vergangenes Wochenende gewann er drei der vier Staaten – aber nur zwei Delegierte mehr als Clinton. Damit ist der derzeitige Stand – ohne Superdelegierte, die jederzeit das Lager wechseln könnten und würden – 769:552, also ein Unterschied von 217 Delegierten. Wenn Sanders sein Versprechen wahr macht und bis zum bitteren Ende im Rennen bleibt, muss Clinton noch warten, bis sie die 2.383 Delegierten gesammelt hat. Wenn wir von einer durchschnittlichen 2/3 zu 1/3 Verteilung ausgehen, ist das erst am 7. Juni der Fall – dem vorletzten Vorwahltag, wo noch rund 700 Delegierte bestimmt werden.

Bei Kampagnen, die aus mehr als zwei Personen bestehen, gibt es noch eine weitere Möglichkeit, eine siegreiche Kampagne zu bestimmen. Das Song Contest-Szenario – wenn der Abstand größer geworden ist, als die Anzahl der noch zu verteilenden Delegierten, kann der/die Erstgereihte jubeln, denn spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte allen anderen KandidatInnen klar sein, dass sie die Wahl nicht mehr gewinnen können.

Damit hat Clinton aus einem ihrer größten Fehler aus 2008 gelernt: Damals war es sie, die auf zu gewinnende Staaten gesetzt und gehofft hat, alle anderen KandidatInnen würden aufgrund ihres Momentums und nicht aufgrund des Delegate Count das Handtuch werfen. So geschieht es nämlich in normalen Wahljahren: 2012 etwa gewann Romney 7 der ersten 11 und dann 6 der 10 Super Tuesday-Staaten und stand damit lange bevor er genügend Delegierte hatte als Frontrunner fest. Delegate Math wird nur relevant, wenn sich andere KandidatInnen nicht durch gewonnene Staaten einschüchtern lassen und das gewonnene Siegerimage WählerInnen nicht automatisch anzieht.

Siegerimage vs. Delegate Math

Beide Phänomene erleben wir gerade bei den Republikanern: Wäre es Rubio und nicht Trump der 15 der ersten 24 Staaten gewonnen hätte, würde niemand mehr an einer Nominierung des offensichtlichen Frontrunners zweifeln. Doch in Moment ist es trotzdem nicht Trump, der von seinen Siegen profitiert – er wird von jenen Fans gewählt, die er schon früh gewonnen hat und kaum von Late Deciders. Es ist Cruz zu dem mehr und mehr der späten Entscheider wechseln. Damit hat er seine Position als Alternative zu Trump etabliert. Man gewinnt den Eindruck: Trump gewinnt die „neuen RepublikanerInnen“, also jene, die schon lange nicht bei einer (Vor)Wahl waren, und Cruz wurde zum Kandidaten der „alten RepublikanerInnen“ die nicht wollen, dass die Partei von Trump übernommen wird.

Gerade weil sich 2012 die Vorwahl so lange hingezogen hat, weil Santorum, Gingrich und Paul nicht aufgeben wollten, haben die RepublikanerInnen dieses mal die Winner Take All-Regel (wieder) eingeführt: Ab inklusive 10. März bekommt der siegreiche Kandidat (in den meisten) Staaten alle Delegierten. Das beschleunigt den Prozess – aber nicht so sehr wie man meinen könnte. Ein mehr-als-zwei-Personen-Rennen übersteigt meine datenjournalistische Expertise, allerdings lassen sich zwei unrealistische Szenarien als Annäherung aufstellen:

Wann die GOP-Primaries vorbei sind

Wenn Donald Trump ab jetzt jeden Staat und damit Delegierten gewinnt, ist der Abstand nach dem 19. April (New York) zu groß, damit Cruz ihn noch einholen kann. Im umgekehrten Szenario ist es der 26. April, der Cruz gewinnen lassen würde. In beiden Varianten tritt das Song Contest-Szenario vor dem Delegate Break Point ein.

Wenn Trump und Cruz ab jetzt in etwa gleich viele Delegierte gewinnen, kommt keiner der beiden über die notwendige Marke von 1.237 Delegierten und es kommt zu einer historischen Brokered/Contested Convention.

Der Druck auf Cruz ist groß: Er muss mindestens einen größeren (oder zwei der 9 Delegate States) gewinnen, damit er überhaupt noch Chancen hat, die Wahl auf „natürlichem Weg“ zu gewinnen.

Keines dieser Szenarien wird zu 100 % eintreffen, aber eines ist klar: Solange sich die RepublikanerInnen weigern, sich um jenen Kandidaten zu sammeln der in Moment die meisten Delegierten hat, bleibt die Vorwahl bis mindestens Ende April spannend. Und auch bei den DemokratInnen könnte sich der Wahlkampf länger hinziehen, als dem Establishment recht ist, denn Sanders hat genug Geld um sein Versprechen wahr zu machen.

 

(Alle Delegiertenzahlen auf demokratischer Seite sind ohne Superdelegierte berechnet)

UPDATE: Eine frühere Version des Artikels behauptete fälschlicherweise, dass das Song Contest-Szenario auch bei Sanders vs. Clinton eintreten kann. Danke an Volker Plass, der uns drauf aufmerksam gemacht hat, dass bei zwei KandidatInnen die noch zu verteilenden Delegierten immer größer oder gleich sein muss als der Abstand zwischen den beiden.

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