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08. Oct. 2015
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08. Nov. 2016
Die Uhr tickt …

Die Uhr tickt …

Der US-Wahlkampf tritt nun in seine heiße Phase ein. Die 100-Tages-Grenze wurde unterschritten – am Dienstag sind es bloß noch 98 Tage bis zur Präsidentschaftswahl. Wenn man das überhaupt noch so rechnen darf. Denn genau genommen bleibt Trump und Clinton nicht einmal mehr diese Zeit, um unentschlossene Wähler/innen auf ihre Seite zu ziehen, schließlich spielt das „early voting“ in den USA eine immer größere Rolle.

Bei den US-Wahlen 2012 wurde fast ein Drittel aller Stimmen vor dem eigentlichen Wahltag abgegeben, womit sich der Anteil dieser Form des Wählens im Vergleich zum Jahr 2000 mehr als verdoppelt hat. Eine der Hauptursachen dafür war das von der Obama-Kampagne 2008 etablierte und 2012 perfektionierte Organisationsmodell, das traditionelle Mobilisierungsaktivitäten mit digital organisierten AktivistInnen kombinierte.

Bei den vergangenen beiden Präsidentschaftswahlen waren die Demokraten damit den Republikanern im ground game deutlich überlegen – und sicherten Obama mit einer überwältigenden Mehrheit der „early votes“ den Einzug ins Weiße Haus. Obamas damaliger Gegenspieler John McCain hätte 2008 so wichtige swing states wie Florida, Colorado, North Carolina oder Iowa glatt gewonnen, wenn lediglich die am Wahltag abgegebenen Stimmen gezählt worden wären. Doch die „Get Out The Vote“-Bemühungen der Demokraten waren perfekt darauf abgestimmt, die Stimmen ihrer eigenen WählerInnen bereits vor dem Wahltag zu gewinnen.

Dabei setzten die Demokraten nicht nur auf die bewährte Mobilisierung deklarierter AnhängerInnen. Durch gezielte E-Mails, SMS-Nachrichten, Hausbesuche und Telefonanrufe gelang es dem Obama-Camp damals, auch sympathisierende Nicht-WählerInnen zur Stimmabgabe vor dem Wahltag zu bewegen. Kein Wunder also, dass die Republikaner in den letzten Jahren eher darum bemüht waren, den für sie ungünstigen Trend zum „early voting“ einzudämmen.

Dennoch ermöglichen heute mehr als zwei Drittel der US-Bundesstaaten in der einen oder anderen Form eine vorzeitige Stimmabgabe – im Schnitt bereits 19 Tage vor dem eigentlichen Wahltermin. Im wichtigen battleground state Ohio beginnt das „frühe Wählen“ zum Beispiel bereits 35 Tage vor der Wahl, also schon in knapp 9 Wochen. Auch deshalb ist es nicht sonderlich überraschend, dass sich Clinton mit ihrem Vizekandidaten Tim Kaine unmittelbar nach der demokratischen Convention in Philadelphia mit einem Tour-Bus in Richtung Ohio aufmachte, um Trumps Vormarsch im Rust Belt etwas entgegenzusetzen.

Starke Auswirkungen auf den Kampagnen-Fahrplan

Der generelle Trend zum „Early voting“ hat starke Auswirkungen auf die strategische und organisatorische Ausgestaltung von Wahlkampagnen in den USA. Noch vor einem Jahrzehnt waren jene „Get Out The Vote“-Aktivitäten, mit denen die WählerInnen zu den Wahlurnen gebracht wurden, ein auf wenige Tage konzentrierter Kraftakt für die Kampagnen- und Parteiapparate. Heute handelt es sich dabei um wochenlange Operationen, mit deren Vorbereitung bereits frühzeitig begonnen werden muss.

Der Umstand, dass der oder die US-Präsident/in inzwischen eher im Oktober als im November gewählt wird, wirbelt die klassische Dramaturgie der Kampagnen jedenfalls stark durcheinander. Üblicherweise zielen Wahlkampagnen darauf an, ihren Höhepunkt – sprich: die meiste Aufmerksamkeit und die maximale Mobilisierungskraft – möglichst nah am Wahltag zu erreichen. Doch bei den US-Wahlen ist inzwischen jeder Tag ab der letzten Septemberwoche ein Wahltag. Deshalb müssen die Kampagnen den maximalen Werbedruck über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten als früher, was natürlich mehr Geld kostet. Auch die (letzten) TV-Konfrontationen verlieren – zumindest etwas – an Bedeutung, wenn immer mehr Stimmen zu diesem Zeitpunkt bereits vergeben sind.

Das bange Warten auf den „convention bounce“

Wer von den „early votes“ in diesem Jahr profitieren wird, ist schwer vorherzusagen. Im Zuge der republikanischen Vorwahlen war ein hoher „early voting“-Anteil – und generell: eine hohe Wahlbeteiligung – meist ein Indikator für eine gutes Abschneiden von Donald Trump, der sich so u. a. den Ruf erworben hat, NichtwählerInnen mobilisieren zu können. Ob das auch für die Hauptwahl gilt, ist schwer berechenbar, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Trump kann schließlich die meiste Medienpräsenz auf sich ziehen und hat seit Beginn seines Wahlkampfs eine konsistente Botschaft.

Die Clinton-Kampagne scheint hingegen mit „Stronger Together“ erst rund um ihre Convention ein funktionierendes Grundmotiv gefunden zu haben, hat dafür aber den deutlich besseren „Bodenwahlkampf“ mit weitaus mehr field offices und der moderneren Online-Organisation. Hillary Clinton hat auch (wie bereits in der vorigen Woche geschrieben) deutlich mehr Geld für Werbung zur Verfügung. Und, was vielleicht ihr allergrößter Vorteil sein könnte: Sie kann fest auf Donald Trumps etwas zwanghaft wirkendes Bedürfnis nach Dominanzspielen zählen.

Spätestens in der zweiten Hälfte dieser Woche sollten wir wissen, wie groß oder klein der Vorsprung sein wird, den der übliche (bei den letzten Wahlen allerdings eher schwächer werdende) „convention bounce“ Clinton eigentlich bescheren sollte. Fällt er nach der vergangenen Woche deutlich genug aus, beginnt Donald Trump auch gegen die Zeit zu laufen – bleibt er hingegen aus, wird es eng für Clinton. So oder so beginnt nun jene Phase, in der jede schwache Woche fatale Folgen haben kann. Denn die Uhr tickt für beide …

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