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08. Oct. 2015
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08. Nov. 2016
October Surprise

October Surprise

Als „October Surprise“ werden in den USA überraschende Neuigkeiten bezeichnet, die kurz vor einer Präsidentschaftswahl auftauchen und deren Ergebnis entscheidend beeinflussen können. Wie bedeutsam diese Oktober-Überraschungen für den Wahlausgang tatsächlich sind, ist zwar oftmals umstritten, unabhängig davon spielen sie aber in den Diskussionen rund um den Wahltag eine große Rolle. Schon alleine deshalb werden sie oft zu Geschichten, die Geschichte machen.

Die „October Surprise“ dieses Wahljahres wurde wohl diesen Freitag von der Washington Post veröffentlicht – ein Video, in dem Trump mit sexuellen Übergriffen auf Frauen prahlt. „Extremely disturbing“ ist in den prüden US-Medien noch eine der harmloseren Beschreibungen dafür.


 

Die in dieser Aufzeichnung dokumentierten Aussagen sind deshalb so brandgefährlich für Trumps Kampagne, weil sie alle problematischen „character issues“ ins Scheinwerferlicht rücken, die ihm von seinen Kritikern seit vielen Monaten vorgeworfen werden. Trump ist ein frauenfeindlicher Sexist, das sollte nach seinem Wahlkampf voller einschlägiger Entgleisungen eigentlich keine Überraschung mehr sein. Doch unerwartet ist, in welcher Deutlichkeit das nun sichtbar wurde.

Rückenwind für Clinton …

Für Clinton ist dieses Thema wichtig, weil sie mit den Stimmen von Frauen ihre Schwächen bei anderen Zielgruppen ausgleichen kann bzw. muss. Gerade Jüngere und Minderheiten, zwei zentrale Bausteine der „Obama-Koalition“, stehen nicht so enthusiastisch hinter Clinton wie hinter dem Amtsinhaber. Umso wichtiger sind für sie die Stimmen der Frauen. Clinton hat realistische Chancen, sowohl von weißen als auch von verheirateten Frauen – die in diesem Jahrtausend noch bei jeder Präsidentschaftswahl mehrheitlich republikanisch gewählt haben – am Wahltag mehr Stimmen als Trump zu erhalten. (Der letzte demokratische Präsidentschaftskandidat, dem das gelungen ist, war übrigens Bill Clinton.)

… zum perfekten Zeitpunkt

Insofern hätte das Timing dieser Enthüllungen für Clinton nicht besser sein können (die WikiLeaks-Veröffentlichung einiger wallstreetfreundlicher Vorträge Clintons wurde dabei glatt zur Randnotiz). Ein derart optimaler Zeitpunkt wirft natürlich auch Fragen auf. Trotz einiger Berichte darüber (z. B. hier und hier) schießen naturgemäß die Gerüchte über die Entstehungsgeschichte dieser „October Surprise“ ins Kraut – immerhin ist das nach der Veröffentlichung von Steuerdokumenten Trumps die zweite große Geschichte innerhalb einer Woche, die den GOP-Kandidaten durch anonym übermittelte Unterlagen in Erklärungsnot bringt. Ob die Washington Post das Material nur deshalb zugespielt bekommen hat, weil es NBC-intern Bedenken gab, die heiklen Aufnahmen zu veröffentlichen oder die Bush-Familie eine Rolle in der Veröffentlichung dieses Scoops gespielt hat, wird sich wohl niemals klären lassen – solche Theorien gehören aber zur Begleitmusik jeder großen Oktober-Überraschung. (SpOn hat eine recht gute Zusammenfassung der ganzen Geschichte gemacht.)

Wir werden wohl auch nie erfahren, wann und in welcher Form die „Opposition Research“ des Clinton-Camps erstmals von diesen Aufnahmen erfahren hat – es wäre jedenfalls nicht verwunderlich, wenn das vor diesem Freitag der Fall gewesen sein sollte. Bemerkenswert ist vielmehr, dass die republikanischen Vorwahlen in diesem Punkt in ihrer Funktion als harter Testlauf für den späteren Präsidentschaftskandidaten versagt haben. Da seine republikanischen Mitbewerber ihn viel zu lange unterschätzt haben, haben deren Kampagnen nur sehr oberflächlich nach Material gegen Trump gesucht. Und Sexismus dürfte dabei nicht ihr Schwerpunkt gewesen sein, denn … nun ja, es waren republikanische Vorwahlen.

Trumps Kampagne am Rande des Abgrunds

Die #TrumpTapes haben jedenfalls genug Sprengkraft, um eine Kettenreaktion auszulösen. Seit ihrer Veröffentlichung tauchen laufend weitere Vorwürfe und seltsame Interviews auf, so dass es beinahe schwer fällt, den Überblick zu behalten. Alleine die TV-Show „The Apprentice“, ein wichtiges Sprungbrett für Trumps bundesweite Bekanntheit, dürfte noch einige Aufnahmen im Archiv haben, die für Trump äußerst unangenehm werden könnten:

Tatsache ist, dass sich GOP-KandidatInnen „down the ballot“ nun reihenweise von Trump absetzen, um ihre Wiederwahlchancen nicht zu gefährden. Trump hat sich für seine Aussagen im obigen Video zwar entschuldigt, scheint mit seinen parteiinternen Kritikern aber tendenziell auf Konfrontationskurs gehen zu wollen – was in den letzten Wochen vor der Wahl noch für einige Irritationen in den Reihen der Republikaner sorgen könnte:

In Verbindung damit, dass Trumps Organisationsstrukturen für das „ground game“ deutlich schwächer sind als jene Clintons und die jüngsten Entwicklungen auch seine Fundraising-Aktivitäten beeinträchtigen dürften, bräuchte seine Kampagne aus heutige Sicht schon ein kleines Wunder, um diese Wahl noch für sich zu entscheiden. Wenn er in wenigen Stunden in das zweite TV-Duell mit Hillary Clinton geht, dürfte er jedenfalls ziemlich stark unter Druck stehen. Wenn er damit nicht richtig umgehen kann, könnte das die Abwärtsspirale seiner Kampagne nochmals beschleunigen.

Natürlich gibt es sie noch: Die hartnäckige Annahme, dass Trump nichts etwas anhaben kann und ihm jede Entgleisung, egal was er sagt oder tut, bloß weitere Aufmerksamkeit und Zuspruch sichert. Doch je näher der Wahltag rückt, desto mehr zeigt sich, dass es sich dabei um einen falschen Mythos handelt. Es ist eine Legende, die aus einer parteiinternen Vorwahl entstanden ist, die nicht mit einer wirklichen Wahl verwechselt werden sollte. Eine Legende, zu der die politische Polarisierung in den USA ihren Teil beiträgt. Trump mag sehr überzeugte Fans haben und es mögen viele Republikaner, die Hillary Clinton seit Jahrzehnten als politisches Feindbild betrachten, ihm seine Stimme geben. Doch letztlich hat die GOP mit Donald Trump einen schwachen Kandidaten nominiert, der nicht mehrheitsfähig ist. Seit letzten Freitag noch ein Stück weniger.

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