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08. Oct. 2015
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08. Nov. 2016
Trumps Hazard

Trumps Hazard

Nach einer vierwöchigen „Strategie“-Pause (die meinem botanisch-strategischen Buchprojekt geschuldet war) möchte ich mich heute der Frage widmen, ob die GOP-Convention neue Anzeichen dafür geliefert hat, mit welcher Kampagnenstrategie Donald Trump ins Weiße Haus einziehen möchte. Die Antwort auf diese Frage ist nicht gerade einfach, da Trump mit vielen Grundregeln des US-Wahlkampfs auf Kriegsfuß zu stehen scheint. Am Ende wird er deshalb wohl entweder als Genie oder als riesiger Bluffer in die Geschichte eingehen.

Der inzwischen über ein Jahr andauernde US-Wahlkampf biegt in diesen Tagen in seine letzte Runde ein. Die Wahl des „running mate“ für die Vizepräsidentschaft und die „acceptance speech“ auf dem Parteikonvent zählen zu den letzten Momenten in einem US-Wahlkampf, in denen ein/e Kandidat/in die grundlegende Ausrichtung der eigenen Kampagne (zumindest ein klein wenig) korrigieren kann, um sich den Wählerinnen und Wählern als optimales Gesamtangebot zu präsentieren. Diese Anpassungen lassen gewisse Rückschlüsse darauf zu, welche Schwachstellen eine Kampagne unbedingt noch beseitigen möchte, um im Finish nichts dem Zufall zu überlassen. Wörter wie „Schwachstelle“ dürften allerdings im Trump-Vokabular keinen Platz haben.

Wer erwartet hat, dass der nunmehr nominierte Kandidat der „Grand Old Party“ diese Phase nützt, um sich etwas gemäßigter zu präsentieren und unentschlossene Wähler/innen der politischen Mitte auf seine Seite zu ziehen, wurde jedenfalls eines Besseren belehrt. Im Gegensatz zur bislang gängigen Praxis war die Convention der Republikaner bestensfalls oberflächlich darum bemüht, Nicht-Trump-Fans auf ihre Seite zu ziehen. Selbst die üblicherweise eher großzügigen Versöhnungsgesten gegenüber den unterlegenen Rivalen im eigenen Lager fielen ziemlich spärlich aus. Statt dessen hielt Trump auf dem Nominierungskonvent eine lange und laute Rede, die ebenso untypisch für diesen Anlass war wie der Mann, der sie hielt.

Der unkonventionelle Konvent

Donald Trump hat klar gemacht, dass er für eine gleichermaßen nationalistische wie populistische Agenda steht, die ihn nicht nur von seiner Gegenspielerin Hillary Clinton, sondern von weiten Teilen der Partei unterscheidet, für die er kandidiert. Dem republikanischen Establishment blieb dabei wenig anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen und den – selten ist dieses Wort so treffend – unkonventionellen Stil ihres Kandidaten als neu, erfrischend und vielversprechend zu loben. Hinter vorgehaltener Hand rätseln allerdings nicht wenige Republikaner, ob Trump wirklich weiß, was er tut.

Alleine der Schlagabtausch, den sich die Trump-Kampagne rund um die GOP-Convention mit John Kasich geliefert hat, lässt die GOP daran zweifeln, ob Trump einen konkreten Plan hat, wie er 270 oder mehr Wahlmänner im „Electoral College“ gewinnen kann. Schließlich hat Kasich als Gouverneur von Ohio sehr viel Einfluss auf das Wahlergebnis in einem der (neben Florida) wichtigsten swing states dieses Wahljahres. Doch so wie Trump viele Kampagnenregeln ignoriert, scheint ihm bislang auch die politische Landkarte dieses Wahljahres relativ egal zu sein.

Die Landkarte des Wahljahres

Dabei wäre ein Blick auf diese Landkarte aus strategischer Sicht sehr lohnenswert. So wie die meisten Analysten betrachten z. B. die Experten von CNN derzeit acht US-Bundesstaaten mit insgesamt 111 Wahlmännern als jene battlegrounds, in denen die Wahl entschieden wird: Florida (29 Wahlmänner), Pennsylvania (20), Ohio (18), North Carolina (15), Virginia (13), Iowa (6), Nevada (6) und New Hampshire (4). Da Clinton ein paar bevölkerungsreiche Bundesstaaten (wie z. B. Kalifornien) ziemlich sicher auf ihrer Seite verbuchen kann, muss sie nur mehr 34 dieser 111 Wahlmänner gewinnen, um ins Weiße Haus einzuziehen, Trump hingegen 79. Der Blog FiveThirtyEight, der alle verfügbaren Wahlumfragen kondensiert, prognostiziert Clinton nach der republikanischen Convention lediglich in drei battleground states einen Vorsprung – Pennsylvania, Ohio und Virginia. Diese Kombination würde Clinton allerdings bereits genügen, um US-Präsidentin zu werden (denn sie würde damit um 17 Wahlmännerstimmen über der Zielmarke liegen).

Die Hoffnung vieler Republikaner baut darauf auf, dass Clintons Vorsprung auf Trump in den letzten Wochen stark geschrumpft ist. Dennoch sieht es derzeit so aus, als könnte Trump trotz des üblicherweise zu verzeichnenden „convention bounce“ – der sprunghaften Verbesserung von Umfrageergebnissen eines Kandidaten nach dessen offizieller Nominierung – nicht an Clinton vorbeiziehen. Wenn die Demokraten also in der kommenden Woche einen soliden Konvent hinlegen, sollte Clinton rund hundert Tage vor der US-Wahl über einen (zwar nicht uneinholbaren, aber nicht zu unterschätzenden) Sicherheitsabstand verfügen, der die Trump-Kampagne unter Zugzwang setzen könnte.

Ein Rechenbeispiel: Wenn Clinton vor der Wahl (dank ihres VP-Kandidaten Tim Kaine) in Virginia und (aufgrund der GOP-internen Konflikte) in Ohio uneinholbar vorne liegen sollte, dann würde ihr ein vergleichsweise kleiner swing state wie Nevada (der zu den sechs Schwerpunkten der Clinton-Kampagne zählen dürfte) genügen, um Trump selbst dann zu schlagen, wenn sie in Florida verlieren sollte.

Wenig Geld, wenig Werbung, wenig field offices

Hinzu kommt ein Faktor, der in dieser Kampagnenarithmetik nicht unterschätzt werden sollte: Geld. Trump ist als Outsider-Kandidat nämlich ein derart schwacher Fundraiser, dass seine Kampagne wohl kaum in der Lage sein wird, den Werbeausgaben seiner Kontrahentin etwas entgegenzuhalten. Bis Anfang Juli haben die Clinton-Kampagne und die sie unterstützenden Super-PACs rund 57 Millionen US-Dollar für Werbung ausgegeben, denen weniger als vier Millionen US-Dollar auf der Trump-Seite gegenüberstehen. In battleground states hat das Team Clinton bislang sogar mehr als vierzig Mal so viele TV-Spots gebucht (!) wie das Trump-Camp.

Nun könnte man berechtigterweise dagegen halten, dass es eigentlich ein Zeichen von Schwäche ist, dass Clinton diese werbliche Überlegenheit nicht in einen weitaus größeren Vorsprung ummünzen kann. Die Trump-Anhänger vertrauen darauf, dass es ihrem Kandidaten auch weiterhin gelingen wird, die Berichterstattung zu domininieren und er so seinen finanziellen Wettbewerbsnachteil ausgleichen kann.

Dabei sollten allerdings zwei Aspekte nicht übersehen werden: Erstens setzt die Clinton-Kampagne auf eine Dramaturgie, die nicht das gesamte Pulver auf einmal verschießt, sondern sich – auch in emotionaler Hinsicht – Reserven für das Finale aufhebt. Und Zweitens nutzt Clinton ihre Kampagnenmittel nicht zuletzt dafür, lokale Organisationsstrukturen aufzubauen, die für jenen „Bodenwahlkampf“ unverzichtbar sind, der im Finish Wähler/innen an die Urnen (bzw. Wahlmaschinen) bringt. In dieser Disziplin, die unter dem Radar von Meinungsumfragen operiert, aber wahlentscheidend sein kann, ist die Trump-Kampagne außerordentlich schwachbrüstig.

Genie oder Bluffer

Angesichts seiner finanziellen und strukturellen Schwächen hat Trump also gar keine andere Option, als mit markigen Ansagen die Nachrichtenzyklen zu dominieren und darauf zu hoffen, dass dieses großspurige Auftreten auch Wähler/innen mobilisiert. Er folgt dabei dem simplen Grundprinzip „all press is good press“, wie auch seine Reaktion auf den Wirbel rund um seine Ehefrau Melania belegt, nachdem diese Teile ihre Convention-Rede von Michelle Obama übernommen hatte:

Auch wenn derartige Fehler (die für frühere Kampagnen gleichbedeutend mit einem Todesurteil gewesen wären) Trump wenig auszumachen scheinen, ist dennoch fraglich, ob seine „Hauptsache Schlagzeilen“-Strategie tatsächlich aufgeht. Tatsache ist: Das Clinton-Camp freut sich über solche Missgeschicke, weil diese Trump daran hindern, seine Botschaft durchzubringen. (Anhand des obigen Tweets kommen manche Beobachter sogar zu dem Ergebnis, dass das größte Problem von Donald Trumps Medienstrategie Donald Trump heißt.)

Die Hoffnungen der Republikaner ruhen darauf, dass „traditionelle Kampagnen“ nicht mehr funktionieren und es Trump mit seinem unorthodoxen Kampagnenstil gelingen wird, die Grundregeln des US-Wahlkampfs außer Kraft zu setzen. Sollte er das schaffen, würde er damit nicht nur politisch, sondern auch in der Art und Weise, wie Wahlkämpfe geführt werden, eine neue Ära der US-Politik einläuten. Auszuschließen ist das derzeit nicht, sogar der linke US-amerikanische Filmemacher Michael Moore zeigt sich inzwischen überzeugt davon, dass Trump – nicht zuletzt aufgrund des Jesse Ventura-Effekts – im November gewählt werden wird.

Ich bin diesbezüglich etwas skeptischer und würde empfehlen, vor der demokratischen Convention keine Wetten abzuschließen. Denn ob Trumps Kampagnenplan robust genug ist, um dem wachsenden Druck im Finale des US-Wahlkampfs gewachsen zu sein, steht noch in den Sternen. Wie jeder Revolutionär wird Trump am Ende entweder glorreich triumphieren oder schmachvoll in Ungnade fallen – dazwischen gibt es wenig. Gewinnt er, muss seine hochriskante Strategie, so größenwahnsinnig sie auch sein mag, als Geniestreich betrachtet werden. Fällt seine aufgeblasene Kampagne hingegen in sich zusammen, wird sie wohl als einer der größten Wahlkampfs-Bluffs in die US-Geschichte eingehen …

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