Zum Inhalt Zum Menü
  • 2. Präsidentschaftsdebatte - 9.10.
  • 2016
  • 3. Präsidentschaftsdebatte - 19.10.
  • Arizona, Utah
  • Brexit
  • California, Montana, New Jersey, New Mexico, South Dakota
  • Connecticut, Delaware, Pennsylvania, Rhode Island
  • debat
  • Des Moines
  • DNC
  • Election Day
  • Erste Präsidentschaftsdebatte - 26.9.
  • Florida, Illinois, Missouri
  • Hawaii caucus (R)
  • Houston
  • Independence Day
  • Indiana
  • Iowa
  • Iowa Caucus
  • Kentucky, Oregon
  • Labor Day
  • Louisianna
  • Manchester
  • Maryland, Washington DC, Wisconsin
  • Memorial Day
  • Michigan
  • Milwaukee
  • Mississippi
  • Mississippi, Ohio, Michigan, Hawaii caucus (R)
  • Nebraska, West Virginia
  • New Hampshire
  • New Hampshire Primary
  • Ohio
  • Philadelphia
  • RNC
  • State of the Union
  • Super Tuesday
  • Texas Debatte
  • Tod Anthonin Scalia
  • VP Debatte - 4.10.
  • Wisconsin
  • Democrats
  • Charleston, South Carolina
  • Democratic Convention
  • Des Moines, Iowa
  • Jefferson Jackson Dinner
  • Manchester, New Hampshire
  • Miami, Florida
  • Milwaukee, Wisconsin (D)
  • MoveOn.org Debate
  • Neue New Hampshire Debate 4.2.2016
  • Nevada Caucus (20.2.)
  • Puerto Rico (D)
  • South Carolina (D) 27.2.
  • All Democratic Candidates
  • Bernie Sanders
    Feel The Bern
  • Hillary Clinton
    I'm ready!
  • Lawrence Lessig
  • Lincoln Chafee
  • Martin O'Malley
  • Republicans
  • Des Moines Debate
  • Houston, Texas Debatte
  • Las Vegas Debate
  • Milwaukee, Wisconsin
  • Nevada Caucus (R) 23.2.
  • New Hampshire Debate
  • Puerto Rico
  • Republican Convention
  • South Carolina (20.2.)
  • South Carolina Debate
  • All Republican Candidates
  • Ben Carson
  • Carly Fiorina
  • Donald Trump
    TRUMP!
  • Jeb Bush
  • John Kasich
  • Marco Rubio
  • Ted Cruz
    To God goes the glory
08. Oct. 2015
-770
08. Nov. 2016
TV-Debatten

TV-Debatten

TV-Debatten gehören zu den Highlights jedes Wahlkampfs. Das ist kein Wunder, denn seit einem halben Jahrhundert können sie Wahlen entscheidend beeinflussen. Tendenziell verlieren sie zwar etwas an Bedeutung , aber in einem so turbulenten Wahljahr wie diesem kann eine schlechte Debattenperformance sowohl für Trump als auch für Clinton verheerende Folgen haben …

Der persönliche Schlagabtausch von Kandidaten ist schon seit langer Zeit ein Teil von US-Präsidentenwahlen. Die ersten Debatten lieferten sich Abraham Lincoln und Stephen A. Douglas, die 1858 gleich sieben Mal über das damals bestimmende Thema der (gespaltenen) Vereinigten Staaten diskutieren: die Zukunft der Sklaverei – in jeder Hinsicht ein divisive issue. Sonderlich TV-kompatibel waren die damaligen Spielregeln sicherlich nicht, dafür aber höchst dialektisch: 60 Minuten Rede, 90 Minuten Antwort, 30 Minuten Zusammenfassung.

Über 150 Jahre später haben sich die Spielregeln, Themen und ZuschauerInnenzahlen zwar deutlich verändert – doch das Grundprinzip bleibt bestehen. Am morgigen Montag (in unserer Zeitzone am Dienstag, den 27. Oktober, zwischen 3.00 und 4.30 Uhr morgens) ist es wieder soweit: Hillary Clinton und Donald Trump treten am Campus der Hofstra Universität im US-Bundesstaat New York zum ersten direkten TV-Duell dieses Jahres an. Clinton ist damit die erste Frau in diesem Debattenformat.

Ein Format, in dem wenig dem Zufall überlassen wird. Die 1987 gegründete, von Demokraten und Republikanern gleichermaßen besetzte „Commission on Presidential Debates“ sieht nämlich strenge Diskussionsregeln or. Dazu gehört die Einteilung der Diskussion in sechs Abschnitte zu je 15 Minuten. Jeweils zwei Abschnitte werden den drei Themen „America’s Direction“, „Achieving Prosperity“ und „Securing America“ gewidmet. Nur die Reihenfolge der Themen ist offen.

Jeder dieser Abschnitte wird von Moderator Lester Holt mit einer Frage eingeleitet, für deren Beantwortung den Kandidaten zwei Minuten zur Verfügung steht – erst danach ist ein echter Schlagabtausch möglich (wobei selbstverständlich streng auf eine ausgewogene Redezeitverteilung geachtet wird).

Trotz dieser Beschränkungen sind die TV-Debatten natürlich einer der letzten Unsicherheitsfaktoren dieses Wahljahres – immerhin haben wir in der Vergangenheit schon Kandidaten erlebt, deren Chancen vor laufender Kamera in weniger als einer Minute implodiert sind:

 

Tatsache ist: TV-Debatten können Wahlen entscheiden. Diese Erkenntnis hat sich 1960 durchgesetzt, als ein telegen-frischer John F. Kennedy einen schlecht rasierten Richard Nixon in Verlegenheit brachte und damit Geschichte schrieb. Ab diesem Zeitpunkt war das Fernsehen als dominantes Medium von Wahlkämpfen zu betrachten:

 

Auch Georg H. W. Bush – Vater von George W. – hatte 1992 wenig Freude damit, dass sein (vor dem Wahlkampf wenig bekannter) Herausforderer Bill Clinton mit Auftritten wie diesem hier entscheidende Punkte machte:

 

Doch das sind alles Geschichten aus dem Wahlkampf-Museum. Die TV-Duelle der letzten Jahre hatten nicht mehr die Bedeutung früherer Jahre – wofür es verschiedene Gründe gibt. Einer davon ist die wachsende Bedeutung des Early Voting. Wie wir bereits Ende Juli erläutert haben, werden immer mehr Stimmen lange vor dem Wahltag abgegeben – und damit in immer geringerem Ausmaß von den Wahldebatten beeinflusst. Durch den Trend zur vorzeitigen Stimmabgabe wird immer früher mehr Geld in die Wahlwerbung gesteckt – weshalb Teile des Wahlvolks zum Zeitpunkt der TV-Debatten bereits das Gefühl haben, schon mehr als genug gesehen zu haben.

Auch die Veränderung der US-Medienlandschaft und der Mediennutzung trifft die TV-Debatten. Noch ist das Fernsehen die wichtigste Nachrichtenquelle, doch seine Bedeutung nimmt ab – und das umso stärker, je jünger die jeweilige Zielgruppe ist.

About a third of 18- to 29-year-olds name social media as most helpful type of source for learning about the 2016 presidential election

Last, but not least, sorgt auch das Vorwahlsystem (und generell: der lange Wahlkampf) in den USA dafür, dass schlechte debater eher früher als später ausgesiebt werden und keine Chance auf eine Nominierung haben. Sowohl Trump – der die harten republikanischen Vorwahldebatten ohne Patzer überstanden hat – als auch Clinton – die seit Jahrzehnten im Geschäft ist – sind hinlänglich diskussionserprobt. Beide kennen ihre und die Argumente ihres Gegenübers nach vielen Monaten Wahlkampf bereits in- und auswendung. Und Sie werden daher wohl so gut auf die TV-Duelle vorbereitet sein, dass ein Totalaussetzer oder andere Überraschungen eher unwahrscheinlich sind.

Clinton könnte gewinnen – und dennoch verlieren

Dennoch wird die morgige Debatte mit überaus großer Spannung erwartet. Der Umstand, dass Clintons Vorsprung in den letzten Wochen bis an die absolute Schmerzgrenze geschrumpft ist, verleiht diesem direkten Schlagabtausch zusätzlich Bedeutung und könnte ihn zu einem Schlüsselmoment dieses Wahljahres werden lassen.

Unangenehmerweise hat Hillary Clinton dabei die etwas schwierigere Ausgangslage. Es wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass sie als erfahrene Politikerin in Sachfragen weitaus sattelfester und besser vorbereitet sein wird als der Politneuling Trump. Insofern würde es niemanden überraschen, wenn sie einen „Sieg nach Punkten“ einfährt – das wird sogar fast erwartet. Wenn sie die TV-Arena in den Augen der KommentatorInnen als Siegerin verlassen möchte, müsste es ihr daher gelingen, Trump aus der Reserve zu locken.

Doch das wird eher schwer werden, denn Trump dürfte wissen, dass ihm ein langweiliges Unentschieden genügt, um weiter Boden gutzumachen. Wenn er höflich bleibt und halbwegs vernünftig rüberkommt, hat er bereits gewonnen – weil er damit äußerst wirksam sein Image korrigieren würde, ein unberechenbarer Sprücheklopfer zu sein. Von drei US-BürgerInnen denken zwei, dass Clinton auf das Weiße Haus (und die Wahldebatte) gut vorbereitet ist, während das von Trump nur jede/r Dritte glaubt. Doch aufgrund dieser niedrigeren Erwartungshaltung hat Trump mehr Potenzial, um positiv zu überraschen …

Noch ein paar Termine

Für hiesige FrühaufsteherInnen mit Interesse an den US-Wahlen gibt es in den nächsten Wochen übrigens noch drei weitere Pflichttermine zwischen 3.00 und 4.30 Uhr morgens (bzw. in den USA zwischen 21.00 und 22.30 Uhr Eastern Time des jeweiligen Vortags):

  • Am Mittwoch, den 5. Oktober, diskutieren die Vizepräsidentschaftskandidaten Tim Kaine und Mike Pence in Farmville, Virginia, miteinander.
  • Am Dienstag, den 11. Oktober, stellen sich Clinton und Trump in St. Louis, Missouri, der einzigen TV-Debatte dieses Jahres, die in der Form eines town meetings – also mit Publikumsfragen – abgehalten wird.
  • Und am Donnerstag, den 20. Oktober, treffen Clinton und Trump in Paradise, Nevada, zum letzten TV-Duell vor der Wahl aufeinander.

Wer hingegen eher Nachteule als early bird ist, dem/der sei eine mindestens ebenso unterhaltsame Veranstaltung ans Herz gelegt, die am Dienstag, den 11. Oktober – also rund einen Monat vor der Wahl – um 20:15 Uhr im Wiener Filmcasino stattfinden wird. Sie trägt den Titel Best of Wahlkampf – und wird von uns organisiert. Ich hoffe, wir sehen uns …

0